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EV-Nachfrage flacht ab: Raffinerien heben Benzinprognose für 2026 deutlich nach oben

Por Equipe Oilxa ·

Das langsamere Wachstum der Elektromobilität zwingt Raffinerien, ihre Benzinprognose für 2026 nach oben zu korrigieren. Auch in der Schweiz bleibt der Verbrennungsmotor länger relevant.

Das Wachstum der Elektromobilität verläuft langsamer als von vielen Prognosen erwartet. In den USA stagnieren die Marktanteile vollelektrischer Fahrzeuge bei rund 8 Prozent der Neuverkäufe, in der EU bei 14 Prozent. Selbst in China, dem unangefochtenen Treiber der Elektrifizierung, schwächt sich die Wachstumsrate ab. Grosse Raffineriebetreiber wie ExxonMobil, Shell, TotalEnergies und Marathon Petroleum haben ihre Benzin- und Dieselprognosen für 2026 deshalb deutlich nach oben revidiert.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet einen Höhepunkt der globalen Erdölnachfrage erst Ende des Jahrzehnts statt 2025, wie noch vor zwei Jahren angenommen. OPEC hingegen sieht den Peak überhaupt nicht vor 2050. Diese Diskrepanz prägt Investitionsentscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Raffinerieprojekte in Asien und im Nahen Osten erhalten neuen Schub, während europäische Raffinerien wie Grangemouth in Schottland schliessen.

Für die Schweiz hat die Entwicklung praktische Folgen. Der Anteil rein elektrischer Personenwagen an den Neuzulassungen liegt laut Auto Schweiz bei rund 19 Prozent, doch das Wachstum hat sich verlangsamt. Plug-in-Hybride gewinnen wieder Marktanteile, was Benzin- und Diesel-Nachfrage stabilisiert. Die Migrol, BP Schweiz, Coop Pronto, Shell und Avia rechnen mit einer flacheren Abnahmekurve im Treibstoffabsatz als zuvor geplant.

Auch die Politik reagiert. Die EU-Verordnung 2035 zum faktischen Verbrennerverbot bei Personenwagen wird zunehmend hinterfragt; eine Überprüfung 2026 steht an. Die Schweiz folgt der EU traditionell mit verzögerten CO2-Vorgaben, hat aber im CO2-Gesetz eigene Reduktionsziele festgeschrieben. Die Diskussion um synthetische Treibstoffe (E-Fuels) und HVO-Diesel gewinnt an Dynamik, wovon insbesondere die Importwirtschaft profitieren kann.

Für Rohstoffhändler in Genf und Zug bedeutet die Neubewertung verlängerte Geschäftsmodelle im klassischen Mineralölhandel. Vitol, Glencore und Trafigura, aber auch unabhängige Akteure wie Mercuria und Gunvor, profitieren von robustem Cash-Flow in den Downstream-Segmenten. Gleichzeitig diversifizieren sie kapitalstark in erneuerbare Brennstoffe und Stromhandel. Vitol etwa investiert über VPI in Gaskraftwerke und Batteriespeicher in Grossbritannien.

Die mittelfristige Risikolage ist zweischneidig. Eine längere Verbrennernachfrage bedeutet kurzfristige Margenstabilität, aber langfristig erhöhten Anpassungsdruck. Wenn der EV-Markt nach 2027 wieder beschleunigt, etwa durch günstigere chinesische Modelle von BYD, MG oder Geely, könnten die heutigen Prognosen erneut zu optimistisch sein. Für Schweizer Konsumenten dürfte die Folge moderate, aber stabile Treibstoffpreise sein, abhängig vom Rohöl. Die strategischen Reserven von Carbura und die diversifizierten Importwege bleiben damit auch in der Übergangsphase zentrale Pfeiler der Versorgungssicherheit.

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