Permian-Becken: Rekordförderung trotz sinkender Bohrinselzahl dank Produktivitätsschub
Im US-Permian-Becken steigt die Förderung auf 6,5 Mio. Fass pro Tag, obwohl die Zahl aktiver Bohrinseln sinkt. Effizienzgewinne verändern die globale Angebotskurve.
Das Permian-Becken in Texas und New Mexico hat eine Förderung von rund 6,5 Millionen Fass pro Tag erreicht und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Bemerkenswert ist, dass dieser Rekord mit deutlich weniger aktiven Bohrinseln erzielt wird: Laut Baker Hughes liegt die Anzahl der Rigs bei rund 305, gegenüber über 350 vor einem Jahr. Die US-amerikanische Schieferindustrie hat eine neue Phase der Kapitaldisziplin und Effizienz erreicht.
Hinter dem Produktivitätsschub steckt eine Kombination aus längeren Horizontalbohrungen von bis zu 4,5 Kilometern, dichteren Frac-Stufen sowie dem Einsatz von Simul-Frac und Trimul-Frac-Verfahren. ExxonMobil hat durch die Übernahme von Pioneer Natural Resources für 64,5 Milliarden US-Dollar seine Position als grösster Produzent gefestigt. Chevron, ConocoPhillips und Diamondback Energy folgen mit aggressiven Konsolidierungsstrategien.
Für den globalen Markt bedeutet die hohe Permian-Produktion eine strukturelle Gegenkraft zu den OPEC+-Kürzungen. Die US-Gesamtförderung übersteigt 13,5 Millionen Fass pro Tag, womit die USA klar der grösste Einzelproduzent bleiben. Das Pipeline-Netz nach Corpus Christi und Houston wurde ausgebaut, sodass die Exporte über die Golfküste auf über 4 Millionen Fass pro Tag steigen konnten.
Schweizer Rohstoffhändler profitieren direkt von dieser Entwicklung. Vitol, Glencore und Trafigura zählen zu den grössten Käufern von WTI Midland, der inzwischen als referenzfähige Beimischung in den Brent-Korb der Platts-Bewertung aufgenommen wurde. Damit verschiebt sich das Preisgefüge zwischen Atlantik und Naher Osten, und Genfer Handelstische gewinnen an Bedeutung in der Arbitrage zwischen US-Golf und europäischen Raffinerien.
Die Kehrseite des Booms sind Engpässe bei der Erdgasentsorgung. Im Permian fällt Begleitgas in solchen Mengen an, dass die Waha-Hub-Preise zeitweise negativ wurden. Pipelines wie Matterhorn Express und der geplante Blackcomb sollen Abhilfe schaffen. Gleichzeitig wächst der politische Druck, das Abfackeln zu reduzieren, was die Methan-Emissionsbilanz der US-Schieferindustrie betrifft, die auch von Schweizer ESG-Investoren genau beobachtet wird.
Die US-Energieinformationsbehörde (EIA) erwartet, dass das Permian-Becken bis Ende 2026 die Marke von 7 Millionen Fass pro Tag durchbricht. Damit würde das Becken alleine mehr produzieren als die meisten OPEC-Staaten. Für die Schweiz, die ihre Versorgung breit diversifiziert, ist diese Entwicklung ein stabilisierender Faktor. Die Pflichtlagerstrategie von Carbura kann sich auf einen funktionierenden Atlantikmarkt stützen, während Raffinerien in Cressier und die Importe via ARA-Region weiterhin sichere Bezugsquellen behalten.