USA überholen Katar 2026 als grösster LNG-Exporteur dank Plaquemines-Inbetriebnahme
Mit der vollständigen Inbetriebnahme von Plaquemines überholen die USA 2026 Katar als grössten LNG-Exporteur. Europäische Käufer und Schweizer Importpfade profitieren von zusätzlichem Angebot.
Die USA werden 2026 Katar als grössten LNG-Exporteur der Welt überholen. Mit der vollständigen Inbetriebnahme von Plaquemines LNG in Louisiana durch Venture Global steigt die US-Verflüssigungskapazität auf rund 170 Millionen Tonnen pro Jahr. Damit liegen die USA klar vor Katar, das mit rund 110 Millionen Tonnen pro Jahr nur graduell wachsen kann, bis die North Field Expansion vollständig in Betrieb geht.
Plaquemines mit einer Nennkapazität von 27,2 Millionen Tonnen pro Jahr nutzt das modulare Konzept von Venture Global, das schnellere Inbetriebnahmen ermöglicht als klassische Grossanlagen. Weitere Projekte wie Corpus Christi Stage 3 von Cheniere, Golden Pass von QatarEnergy und ExxonMobil sowie Rio Grande LNG von NextDecade folgen kurz darauf. Die Inbetriebnahmen verändern die globale Gasversorgung grundlegend.
Für Europa ist die Entwicklung entscheidend. Seit dem weitgehenden Wegfall russischer Pipelinegaslieferungen über Nord Stream und die Ukraine-Transitroute deckt die EU rund die Hälfte ihres LNG-Bedarfs aus den USA. Die EU-Gasspeicher waren zu Winterbeginn zu über 90 Prozent gefüllt, doch der zusätzliche Spielraum aus Plaquemines reduziert den Druck auf TTF-Notierungen, die zuletzt bei rund 35 Euro pro Megawattstunde lagen.
Für die Schweiz, die rund 15 Prozent ihres Endenergieverbrauchs aus Erdgas deckt, sind die Auswirkungen mittelbar, aber bedeutend. Der Bezug erfolgt überwiegend über Verträge der Swissgas und kantonaler Versorger mit deutschen, französischen und italienischen Importeuren. Die Verbindung über die TENP- und Transitgas-Pipelines bleibt zentral. Sinkende europäische Gaspreise senken die Importkosten und stabilisieren die Heizkosten für Schweizer Haushalte.
Schweizer Rohstoffhändler spielen eine zunehmend grosse Rolle im LNG-Geschäft. Vitol, Gunvor und Trafigura besitzen langfristige Abnahmeverträge mit US-Verflüssigern und betreiben eigene Flotten von LNG-Tankern. Genf hat sich neben Singapur und London zu einem der wichtigsten Handelsplätze für LNG-Spotgeschäfte entwickelt. Mit den US-Mengen aus Plaquemines erweitern sich die Arbitrage-Möglichkeiten zwischen JKM in Asien und TTF in Europa.
Geopolitisch verschiebt sich das Gewicht weiter zu Gunsten Washingtons. Die Biden-Administration hatte die Genehmigungen für Nicht-FTA-Exportlizenzen zwischenzeitlich pausiert, doch die nachfolgenden Entscheidungen erlauben den weiteren Ausbau. Katar reagiert mit Preisflexibilität in Langfristverträgen und vertieft Beziehungen zu chinesischen Käufern. Die Schweiz profitiert als neutrales Handelszentrum: Ohne eigene LNG-Terminals positioniert sie sich über das Know-how ihrer Handelshäuser als Drehscheibe eines Marktes, der bis 2030 ein Volumen von rund 700 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen dürfte.