OPEC+ verlängert freiwillige Förderkürzungen von 2,2 Mio. Fass pro Tag bis Ende 2026
Die OPEC+ verlängert die freiwilligen Produktionskürzungen von 2,2 Mio. Fass pro Tag bis Ende 2026. Schweizer Rohstoffhändler in Genf und Zug stellen sich auf knappere Märkte ein.
Die OPEC+ hat an ihrer Ministerratssitzung beschlossen, die freiwilligen Förderkürzungen von 2,2 Millionen Fass pro Tag bis Ende 2026 zu verlängern. Acht Mitgliedstaaten, darunter Saudi-Arabien, Russland, Irak, die VAE, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman, tragen den Beschluss gemeinsam. Damit signalisiert das Kartell, dass es die Preisstabilität über Marktanteile stellt und einen Brent-Korridor zwischen 78 und 85 US-Dollar verteidigen will.
Für die Schweizer Rohstoffhandelsbranche, die rund einen Drittel des global gehandelten Erdöls über die Drehkreuze Genf, Zug und Lugano abwickelt, hat die Entscheidung unmittelbare Folgen. Vitol mit Hauptsitz in Genf, Glencore in Baar sowie Trafigura und Gunvor passen ihre Lagerstrategien an. Die kurzfristigen Terminstrukturen am ICE Brent verlagerten sich erneut in eine ausgeprägte Backwardation, was Lagerhaltung verteuert und das physische Geschäft stützt.
Saudi-Arabien führt die Disziplin im Block an: Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman betonte, dass jede schrittweise Rückkehr an den Markt streng datenabhängig erfolgen werde. Russland wiederum nutzt die Kürzungen, um trotz westlicher Sanktionen Preise oberhalb der vom G7 festgesetzten Preisobergrenze von 60 US-Dollar pro Fass zu erzielen. Die VAE, deren Förderkapazität auf 5 Millionen Fass pro Tag ausgebaut wurde, akzeptieren ihre Quote nach harten Verhandlungen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2026 mit einem Nachfragezuwachs von rund 1,1 Millionen Fass pro Tag, getragen vor allem von Indien, Südostasien und der Petrochemie. Gleichzeitig wachsen die Nicht-OPEC-Produktionen aus den USA, Brasilien, Guyana und Kanada um schätzungsweise 1,4 Millionen Fass pro Tag. Ohne die OPEC+-Kürzungen würde der Markt damit deutlich ins Überangebot rutschen.
Für die Schweiz, die rund 96 Prozent ihres Erdölbedarfs importiert und über die Pflichtlager des Verbands Carbura bewirtschaftet, bedeutet die Lage erhöhte Preisvolatilität an der Tanksäule. Der Bundesrat hat im Rahmen der Energiestrategie 2050 zwar den Anteil fossiler Brennstoffe gesenkt, doch Heizöl und Treibstoffe bleiben kurzfristig zentrale Pfeiler der Versorgung. Analysten der Zürcher Kantonalbank warnen, dass jeder Anstieg um 10 US-Dollar pro Fass die Schweizer Importrechnung um rund 700 Millionen Franken pro Jahr erhöht.
Die nächste OPEC+-Sitzung im Frühjahr wird zeigen, ob das Kartell die schrittweise Rücknahme der Kürzungen ab Mitte 2026 tatsächlich startet oder weiter verschiebt. Schweizer Händler bereiten sich auf beide Szenarien vor, indem sie Tankkapazitäten in Rotterdam und Fujairah sichern und Hedging-Strategien über die ICE-Futures verfeinern. Klar ist: Die OPEC+ bleibt der entscheidende Taktgeber für die Preisbildung am physischen Markt.