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Categoria: Downstream2 Min. Lesezeit

Lateinamerika baut Raffineriekapazität aus: Mexiko Dos Bocas und Kuba-Projekte im Fokus

Por Equipe Oilxa ·

Mexikos Dos Bocas und neue Projekte in Kuba erhöhen die Raffineriekapazität Lateinamerikas. Importe sinken, doch geopolitische Risiken bleiben hoch.

Lateinamerika treibt den Ausbau seiner Raffineriekapazität voran. Im Zentrum steht die Olmeca-Raffinerie in Dos Bocas, Bundesstaat Tabasco, mit einer Verarbeitungskapazität von 340'000 Fass pro Tag. Das von Pemex betriebene Projekt war ein politisches Prestigeobjekt der vorherigen Regierung von Andrés Manuel López Obrador und wird unter Präsidentin Claudia Sheinbaum nun in den vollen kommerziellen Betrieb überführt. Mexiko verfolgt damit das Ziel, Benzinimporte aus den USA deutlich zu reduzieren.

Insgesamt verfügt Mexiko über sieben staatliche Raffinerien plus die im Vorjahr erworbene Deer-Park-Anlage in Texas. Mit Dos Bocas steigt die nominale Inlandskapazität auf rund 1,9 Millionen Fass pro Tag. Die tatsächliche Auslastung bleibt jedoch eine Herausforderung, da die mexikanische Schwerölsorte Maya hohe Komplexität in der Verarbeitung erfordert. Pemex kämpft mit Schulden von rund 100 Milliarden US-Dollar, weshalb die Regierung weitere Kapitalspritzen leistet.

Kuba wiederum versucht, mit russischer und venezolanischer Unterstützung die Raffinerien in Cienfuegos und Santiago de Cuba zu modernisieren. Die chronischen Treibstoffengpässe auf der Insel, verschärft durch US-Sanktionen und sinkende venezolanische Lieferungen, machen die Modernisierung dringlich. Russische Konzerne wie Rosneft prüfen Beteiligungen, stossen jedoch auf sekundäre Sanktionsrisiken. Die kubanische Wirtschaftskrise drückt die Auslastung deutlich unter Nennkapazität.

Daneben investiert Brasilien in die Modernisierung von Abreu e Lima sowie in eine Erhöhung der Diesel-Kapazität, während Kolumbiens Ecopetrol in Cartagena und Barrancabermeja optimiert. Argentinien forciert mit der Vaca-Muerta-Schieferöl-Produktion Investitionen in die Raffinerien Plaza Huincul und Luján de Cuyo. Lateinamerika strebt insgesamt nach mehr Eigenständigkeit bei raffinierten Produkten.

Für Schweizer Rohstoffhändler hat der Ausbau ambivalente Folgen. Einerseits sinkt der Bedarf an importiertem Benzin und Diesel aus dem US-Golf nach Mexiko, was klassische Arbitrage-Geschäfte schmälert. Andererseits eröffnen sich neue Möglichkeiten im Handel mit Komponenten wie Naphtha, Alkylat und Reformat sowie mit Schwerölfracht. Glencore, Vitol und Trafigura sind in mexikanischen Märkten aktiv, müssen jedoch die Risiken eines vom Staat dominierten Sektors einkalkulieren.

Geopolitisch wird Lateinamerika für die Schweiz und Europa relevanter. Die EU sucht angesichts russischer Sanktionen alternative Lieferanten und intensiviert über das Mercosur-Abkommen die Beziehungen zu Brasilien und Argentinien. Schweizer Schiffsmanagementgesellschaften, etwa MSC und die in Lugano ansässigen Akteure, gewinnen über transatlantische Routen. Der Ausbau der lateinamerikanischen Raffineriebranche bleibt ein Schlüsselthema, dessen Wirkung auf globale Handelsströme in den kommenden Jahren immer deutlicher spürbar wird.

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